Vitamin N

Was wir schon lange spüren, ist nun wissenschaftlich bewiesen: Die Natur ist ein Gesundmacher

In den Wald oder auf den Berg zu gehen wirkt sich nachweislich positiv auf unsere körperliche sowie seelische Verfassung aus.  

Sogar Grünpflanzen in Räumen haben positive Effekte: In Versuchen haben Probanden eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit und weniger Stress gezeigt, wenn sie von Zimmerpflanzen umgegeben waren. Der Ausblick durchs Fenster auf Pflanzen senkt den Blutdruck.

Warum?

Wir haben über Jahrmillionen gelernt, Pflanzen positiv zu bewerten: Als Nahrungsquelle, Baumaterial, Arzneistoffe. So haben wir eine innige Beziehung zur Natur aufgebaut, die uns selbst durch Zimmerpflanzen stärkt. Darüber hinaus verbessern Grünpflanzen die Luftqualität – und der Atem ist schließlich unsere wichtigste Lebensquelle.

Noch stärker macht sich ein Ausflug ins Grüne bezahlt.

Der Biologe Clemens Arvay sammelt internationale Forschungsergebnisse zur Wirkung des Waldes auf unsere Gesundheit. Er ist überzeugt: „Der Wald hilft uns gegen Depressionen, gegen psychische Stressbelastungen und Burnout. Aber er stärkt auch unser Immunsystem, kann uns vor ernsthaften chronischen Krankheiten schützen und sogar vor Herzinfarkt.“

In Versuchen fühlten sich 92% der Probanden nach einem Spaziergang oder Laufen im Grünen weniger deprimiert, 86 weniger angespannt und 81% weniger wütend oder erschöpft. Vergleichsgruppen im Fitnessstudio verbrannten zwar gleich viele Kalorien, bekamen aber deutlich weniger psychische Vorteile.

Verantwortlich dafür sind unter anderem die sogenannten Terpene.

Terpene sind chemische Verbindungen, die in Organismen natürlich vorkommen. Sie bestimmen den Duft und Geschmack von Pflanzen und haben verschiedenste therapeutische Eigenschaften. Manche wirken antibakteriell, andere helfen bei Ängsten oder lösen Krämpfe. 

Der Pionier der Waldmedizin, Prof. Qing Li, fasst seine bahnbrechende Erkenntnis so zusammen: „Mein Experiment hat gezeigt, dass die Terpene Immunzellen wie die natürlichen Killerzellen stimulieren, und das verstärkt die Wirkung der Immunfunktion“.

Weitere positive Faktoren aus der Natur:

  • Stresshormone sinken um 13% allein schon, wenn man eine Waldlandschaft betrachtet.
  • Waldluft hat 90% weniger Staubteilchen und ist damit eine Kur für unsere Atemwege.
  • Sonnenlicht, das wir bei Spaziergängen aufnehmen, versorgt uns mit Vitamin D, das entscheidend für Krankheitsprävention ist.
  • Schon 5 Minuten Spaziergänge in der Natur heben die Stimmung und das Selbstwertgefühl nachweislich.
  • Insbesondere „Blau-Grüne“ Naturerlebnisse, also spazieren entlang von Gewässern, wirken sich positiv auf die Psyche aus.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass Menschen die in Naturnähe Leben im Schnitt eine positivere Lebenseinstellung haben und zufriedener sind.

Prof. Qing Li hofft, dass sich mit der Kraft der Bäume vielleicht sogar Krebserkrankungen verhindern lassen. „Vielleicht können Ärzt*innen in Zukunft den Wald als Medizin verschreiben“, sagt er.

Grüne Bewegungsformen als therapeutische Interventionen (green care) müssen daher dringend weiterentwickelt werden.

Tipps:

  • Machen Sie mind. 1-2x/Woche Spaziergänge im Wald
  • Stellen Sie Grünpflanzen zu Ihrem Arbeitstisch
  • Machen Sie öfter Sport in der Natur als im Fitnessstudio oder Wohnzimmer
  • Genießen Sie den Blick auf Bäume (selbst wenn es nur durch´s Fenster ist)
  • Verlegen Sie Besprechungen ins Freie. Die Frischluft erleichtert frische Gedanken. Die Bewegung ermöglicht einen beweglichen Geist.
  • Verbringen Sie Ihre Mittagspause im Park. Wenn es kalt ist, gehen Sie einfach eine Runde. Wenn die Sonne scheint, halten Sie ihr Gesicht für 2 Minuten der Sonne entgegen.
  • Arbeiten Sie am Abend oder am Wochenende im Garten, oder helfen Sie Freund*innen dabei, dann stärkt auch noch die soziale Komponente.

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